Morgendämmerung – Kälte, Straße, ein Platz zum Erwachen
Wenn man einen Tag mit obdachlosen Menschen in Frankfurt verbringt, merkt man schnell, dass ihr Alltag vor allem aus Überleben besteht. Der Tag beginnt oft Ein Tag bei den Obdachlosen in Frankfurt
Wenn man einen Tag mit obdachlosen Menschen in Frankfurt verbringt, merkt man schnell, dass ihr Alltag vor allem aus Überleben besteht. Der Tag beginnt oft sehr früh, manchmal noch im Dunkeln. Viele wachen draußen auf – in Parks, unter Brücken oder an geschützten Ecken der Stadt. Wer Glück hat, hat die Nacht in einer Notunterkunft verbracht, aber das ist nicht für alle selbstverständlich oder möglich.
Am Morgen geht es zuerst darum, etwas Warmes zu bekommen: ein Tee, ein Kaffee, ein Frühstück. Orte wie Tagesaufenthalte oder soziale Treffpunkte sind dann besonders wichtig. Dort können sich die Menschen aufwärmen, etwas essen, kurz zur Ruhe kommen und mit anderen reden. Für viele sind diese Orte die einzigen festen Anlaufstellen im Alltag.
Der Tag verläuft oft langsam, aber nie sorgenfrei. Essen organisieren, Pfand sammeln, Hilfeangebote wahrnehmen oder einfach irgendwo bleiben, ohne vertrieben zu werden – das kostet Kraft. Viele kämpfen zusätzlich mit gesundheitlichen Problemen, psychischen Belastungen oder Suchterkrankungen. Gespräche mit Sozialarbeitern finden häufig draußen statt, direkt auf der Straße, weil nicht jeder den Weg in eine Einrichtung schafft oder gehen möchte.
Was besonders auffällt, ist die Unsicherheit. Nichts ist fest, nichts gehört wirklich einem selbst – weder ein Platz noch ein Zeitpunkt. Auch einfache Dinge wie Duschen, Arztbesuche oder Behördengänge werden schnell zu großen Hürden, wenn man keine feste Adresse hat.
Am Abend beginnt alles wieder von vorn. Die Frage ist dann: Wo schlafe ich heute? Gibt es noch einen Platz in einer Unterkunft oder bleibt nur die Straße? Gerade bei Kälte oder Hitze wird deutlich, wie gefährlich diese Situation ist. Unterstützungsangebote wie der Kältebus können helfen, aber sie lösen das Grundproblem nicht.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass Obdachlosigkeit kein Randthema ist, sondern mitten in der Stadt stattfindet. Es sind Menschen mit Geschichten, Brüchen und oft auch mit dem Wunsch nach einem anderen Leben – aber der Weg dorthin ist schwer und voller Hindernisse.
